Gemacht
26.08.2020, 18:29 Uhr
Sanierung Paracelsusbad – dafür brauchen wir 10 Mio € mehr
 

Riesige Baugerüste lassen auch den unaufmerksamen Passanten, Rad- oder Autofahrer am Paracelsusbad wissen: Hier wird gebaut. Der ursprüngliche Kostenrahmen für die notwendigen Sanierungsarbeiten des denkmalgeschützen Paracelsus-Bades mit der typischen Architektur der auslaufenden 1950er Jahre  belief sich ursprünglich auf netto 7 Millionen Euro. Die Kostenschätzung nach Abschluss der Vorplanung lag dann bei 17 Millionen Euro. Zu den Ursachen für die  Fehleinschätzung heißt es seitens der Berliner Bäderbetriebe (BBB), dass der Ursprungswert auf Kennwerten ähnlicher Baumaßnahmen beruhte. Eine detaillierte Planungsbetrachtung erfolgte erst später und wurden dann nach der Beauftragung der Planer im Zuge der Vorplanung aufgezeigt und kostenmäßig detailliert bewertet. So wurde ersichtlich, dass der Zustand des Bades und der Anlagen schlechter als angenommen und ein größerer Maßnahmenumfang notwendig ist. Das Paracelsus-Bad wurde in den Jahren 1957 bis 1960 errichtet. Eine vollständige Sanierung des Gebäudes ist seitdem nicht erfolgt, lediglich partielle Reparaturen und Teilsanierungen einzelner Bereiche wurden durchgeführt. Nun  fragt sich nicht nur der Berliner Steuerzahler, wofür die rd. 10 Mio. Euro Mehrkosten im einzelnen verwendet werden. Der stv. CDU-BVV-Fraktionschef und Wittenauer Bezirksverordnete Björn Wohlert begann zu recherchieren und zusammen mit den Reinickendorfer Abgeordneten Emine Demirbüken-Wegner (Wahlkreisabgeordnete) und Stephan Schmidt (Mitglied im finanzierenden Hauptausschuß) nahmen die drei die Meldungen über diese immense Kostenerhöhung zum Anlaß, den Senat in einer Schriftlichen Anfrage um Stellungnahme zu bitten (Drucksache 18/24388). Nun liegt die Antwort vor. 

Laut BBB wurden die Voruntersuchungen erst im Rahmen der Grundlagenermitt-lung/Vorplanung durchgeführt, mithin nach Festlegung des Kostenrahmens. Die Voruntersuchungen hatten folgende Ergebnisse:

  • Lüftungsanlage: Die Lüftungsanlagen sind so veraltet, dass sie komplett erneuert werden müssen. Zudem ist die Leitungsführung komplizierter als angenommen. 
  • Anlagen für Trink-und Abwasser: Der ursprünglich vorgesehene Erhalt eines Großteils der Anlagen ist nicht möglich. Die Anlagen müssen komplett erneuert werden.
  • Heizungsanlage: Der ursprünglich vorgesehene Erhalt eines Großteils der Anlage ist nicht möglich. Die Heizungsanlage muss komplett erneuert werden.
  • Vorhandene Betonteile: Der tatsächliche Zustand der vorhandenen Betonteile ist nach Freilegung wesentlich schlechter bzw. sind diese stärker geschädigt als angenommen.
  • Schadstoffe: Die schadstoffhaltigen Bauteile wurden durch einen Schadstoffgutachter beprobt und die zu erwartenden Schadstoffsanierungskosten ermittelt.
  • Treppenhaus: In den 1990er Jahren wurde dem Bezirk Reinickendorf eine Baugenehmigung erteilt, nach der die Erstellung des notwendigen Fluchttreppenhauses erfolgen musste. Dieser Umstand wurde von den BBB erst im Zuge der Vorplanung durch die Brandschutzplaner im Bauarchiv festgestellt und entsprechend in der neuen Projektplanung aufgenommen.