Gemacht
29.07.2020, 15:47 Uhr
Sanierung Paracelsusbad
10 Mio Euro mehr und 2 Jahre länger

Seit mehr als einem Jahr ist das Paracelsus-Bad gesperrt. Hier findet die Modernisierung der im Jahr 1960 eröffneten und unter Denkmalschutz stehenden Anlage statt. Die Kosten für die umfangreiche bauliche und technische Instandsetzung schätzten die Berliner Betriebe (BBB) bei der ersten Vorstellung der Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2018 auf gut sieben Millionen Euro. Gebaut wird an der weitgehenden Entkernung und der umfassenden Sanierung des Gebäudes sowie der gesamten technischen Anlagen. Das Vorhaben zählt damit zu den drei größten Bad-Sanierungsprojekten, die die BBB im Auftrag des Landes Berlin 2018/2019 starteten. Auch im Stadtbad Märkisches Viertel begannen Sanierungsbauarbeiten, um die raumlufttechnischen Anlagen und die Sprunganlage instand zu setzen. Rund 60 Millionen Euro sollten in rund drei Jahren in die Sanierung und Modernisierung der Berliner Bäder fließen. Möglich geworden waren diese Bauarbeiten durch entsprechende Beschlüsse des Berliner Abgeordnetenhauses. „Das Parlament hatte den BBB per Nachtragshaushalt mehr Geld zur Verfügung gestellt. Außerdem hatte das Parlament eine Rücklage zugunsten des Eigenkapitals des Landesunternehmens gebildet.“ erklärt die Wahlkreisabgeordnete von Reinickendorf-West und Wittenau-Süd, Emine Demirbüken-Wegner (CDU) die Ausgangslage. „Geplant war, das Paracelsusbad spätestens Ende 2021 wieder am Netz zu haben. Dieser Termin ist nun Makulatur, denn das einzige Bad hier im Wahlkreis muss wesentlich umfassender saniert werden als bisher geplant.“ stellt Demirbüken-Wegner, die dem Parlamentsausschuß für Bildung, Jugend und Familie vorsitzt, fest. „Das ist ein herber Schlag für die Familien im südlichen Teil unseres Bezirkes. Zwar kann man natürlich auf das Bad in der Seestrasse ausweichen. Aber allein die Corona-Pandemie-bedingten Einschränkungen haben in den letzten Monaten dieses Freizeitangebot sehr stark reduziert.“. Laut Berliner Bäder-Betriebe habe sich gezeigt, dass die Schäden an der Infrastruktur und der Bausubstanz wesentlich größer seien als zunächst angenommen. Wörtlich heißt es hierzu von den Bäderbetrieben:
  • „Die Anlagen für Trink- und Abwasser sowie Heizung sind maroder als erwartet und müssen anders als bisher vorgesehen, komplett ausgetauscht werden. Das bedeutet, dass wesentlich umfassender und tiefgreifender in die Bausubstanz eingegriffen werden muss als zunächst gedacht.
  • Die Lüftungsanlage muss ebenfalls komplett erneuert werden. Auch diese Maßnahme bedeutet einen wesentlich umfassenderen Eingriff in die Bausubstanz.
  • Auch das Dach über der eigentlichen Schwimmhalle (dem Herzstück der Anlage) muss erneuert und teilweise ausgetauscht werden, da eine Betonsanierung der Konstruktion nötig geworden ist.
  • Der Neubau eines weiteren Fluchttreppenhauses im ehem. Wasserturm ist erforderlich geworden.
  • Im Gebäude selbst wurden deutlich mehr Schadstoffe vorgefunden, die in der Folge des massiveren Eingriffs in die Bausubstanz nun beseitigt und entsorgt werden müssen.
  • In der Folge des umfangreicheren Rückbaus im Inneren müssen in deutlich größerem Ausmaß als bisher Fliesen erneuert werden.“
Das Paracelsus-Bad ist der erste Hallenbad-Neubau in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist denkmalgeschützt. Die Sanierung muss daher denkmalgerecht sein. Somit kann der einst geplante Eröffnungstermin nicht eingehalten werden, und auch die Kosten schnellen in die Höhe: Statt den kalkulierten sieben Millionen Euro rechnen die BBB nun mit 17 Millionen Euro. Demirbüken-Wegner: „Das ist ein doppelter Rückschlag: 10 Mio. Euro mehr und wohl zwei Jahre längere Bauarbeiten sind keine guten Nachrichten für die Menschen hier vor Ort!“