Gemacht
17.06.2020, 19:11 Uhr
Kranzniederlegung zum 17. Juni 2020
Gedenktag an die Opfer des DDR-Volksaufstandes
In Gedenken an die Opfer des Volksaufstandes in der ehemaligen DDR am 17. Juni 1953

haben das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung von Reinickendorf am 17. Juni 2020 am Mahnmal in der Berliner Straße, Berlin-Tegel (gegenüber den Borsighallen) Kränze niedergelegt und den Toten und verletzten des Volksaufstandes in der damaligen DDR gedacht. In Anwesenheit von Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU), Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther (SPD), des Bürgermeister der Gemeinde Glienicke, Dr. Hans-Günther Oberlack (FDP), Oberst Christian von Blumröder und der Reinickendorfer Abgeordneten Emine Demirbüken-Wegner (CDU) erwiesen Soldaten des Wachregiments der Bundeswehr dem Gedenken mit einer Wache die Ehre.

"Da kommen die Hennigsdorfer!" Dieser Ruf erklang immer wieder, als tausende Arbeiter aus der Industriestadt im Norden Berlins am 17. Juni 1953 durch Westberlin zogen, um zum Regierungssitz der DDR im Herzen der geteilten Stadt zu ziehen. Schon am Vorabend des 17. Juni war es im LEW (heute Bombardier) zu spontanen Versammlungen der Belegschaft gekommen. In der Nacht kam es zu ersten Streiks. Auch einige Kilometer nördlich brodelte es. Den Geheimberichten der Volkspolizei ist zu entnehmen: "Am 16.6. gegen 21.30 Uhr kam es bei einer Kulturveranstaltung der Bauunion Hohenschöpping - Baustelle der Reichsbahn im Kreis Oranienburg - zu einer Arbeitsniederlegung." Die Arbeiter lehnten sich gegen die Normerhöhungen auf. Nachdem der SED-Parteisekretär die Männer zur Ruhe ermahnt hatte, riefen diese: "Wir wollen uns selbst regieren und unsere Regierung von unten aufbauen." Wie ein Wunder wirkt es heute, dass der Hennigsdorfer Zug an der Grenze in Stolpe-Süd nicht aufgehalten wurde. Auf dem Marsch durch Westberlin wurden die DDR-Aufständischen bejubelt - von sich solidarisch fühlenden Arbeitern. Als der Pförtner der Borsigwerke mit "Die Hennigsdorfer kommen!" jene so berühmt gewordenen Worte rief, hielt es kaum jemanden an seinem Arbeitsplatz. Die Kumpel aus der DDR wurden euphorisch bejubelt.

Dieser Jubel hielt die gesamte Strecke entlang der Berliner und Seidelstrasse, der Scharnweberstrasse und der Müllerstrasse an. Zumindest bis zur Chausseestraße - und damit bereits auf Ostberliner Terrain - ist der Zug geschlossen marschiert. 

Es waren nur wenige Stunden, in denen sich die Menschen ihren Wunsch nach Freiheit aus der Seele schreien konnten. Dann wurden sie vom Klirren der Panzerketten und von Schüssen übertönt. Für manchen endete der Tag in Haft, andere retteten sich nach Westberlin und kehrten nicht mehr zurück. Die, die am Abend wieder Hennigsdorf erreichten, mussten an der Grenze durch ein Spalier gehen und wurden registriert.